Sardi - oder wie wir auf den Hund kamen...

Am Abend des 14.9.2004, wir waren im Kletterurlaub auf Sardinien und hatten im Valle di Lanaitto gerade einen Platz zum Übernachten mit unserem Campingbus gefunden, kam dieses magere, staubige und komplett mit Kletten übersäte Hundemädchen mit angelegten Ohren geduckt und heftig mit dem Schwanz über den Boden wedelnd auf uns zu.
Am 14.4.2004 hat Sardi uns auf Sardinien gefunden... Zuvor hatten uns zwei Wanderer, die wir in der Hitze ein Stück mit talauswärts genommen hatten, schon erzählt, dass ihnen den ganzen Tag lang ein Hund gefolgt wäre, obwohl sie nicht mal was zum Essen für ihn hatten, nur ab und zu einen schluck Wasser aus der Hand.
Einen kleinen Topf zum Napf umfunktioniert, trank sie sicher 2 Liter Wasser und auch die improvisierten Nudeln mit Milch waren im Nu verdrückt.
Sie war so dünn, dass Peda mit einer Hand fast ihre Taille umfassen konnte, knappe 10kg schätzte er die 54cm hohe Hündin.
Nach dem Essen mit einem guten sardischen Rotwein legten wir uns zum Schlafen, mit dem Gedanke, dass unser kleiner Gast, wenn es in der Nacht kühler wird, sicher nach Hause laufen wird.
Die ganze Nacht hatte sie uns gut bewacht und schaute uns am Morgen beim Frühstück mit dem treuesten Hundeblick an, darin ist sie Weltmeisterin, den wir mit einem Butterbrotfrühstück belohnten.
Sardi ist nach der Klettertour immer noch da Nun sollte es taleinwärts zum Klettern gehen. Dahin, wo wir am Vortag die Wanderer mitgenommen hatten. Vielleicht ist der Hund ja da irgendwo in der Nähe haheim, dachten wir, hoben sie in den Bus und fuhren einige km bis zu dem Fußweg, der zu den Kletterwänden führt. Hier folgte sie uns bis zum Wandfuß und legte sich zu unseren Rucksäcken in den Schatten bis uns die Hitze wieder aus der Wand trieb. Bereits auf den letzten Abseilmetern begrüßte sie uns heftig.
„Jetzt weiß ich, wie ich dich nenne. Du heißt Sardi, Sardi von Klette! ging es mir bei ihrem Anblick von oben durch den Kopf.
Wie selbstverständlich trabte Sardi mit uns zurück und sprang sofort in den Bus.
So wich sie uns, in den 3 Tagen, die wir in dieser Gegend blieben, nicht mehr von der Seite und wartete geduldig bei unseren Rucksäcken, während wir kletterten. Nun stand bei uns der nächste Gebietswechsel an und es war zu entscheiden, was wir mit Sardi tun sollten, die sich dort anscheinend nirgends zugehörig fühlte. Sardis einzigen Zivilisationsmerkmale waren ein Flohhalsband und ihre Zutraulichkeit.
Mein neues Zuhause im Campingbus Ich mochte Tiere schon immer, vor allem Hunde, doch die Vernunft sagte mir, dass es nicht richtig ist sich ein Tier zu halten, wenn beide ganztägig arbeiten, viel Reisen und Bergsteigen. Peda war schon immer prinzipiell gegen einen Hund. Doch gerade er sprach das Thema als erster an. Er machte sich Sorgen, was nun aus Sardi werden würde, wenn wir sie einfach da ließen, in einem Tal in dem es im Sommer nicht einen Tropfen natürliches Wasser gibt. – Wir beschlossen sie mitzunehmen.
Ein Stück Reepschnur mit einem kleinen Materialkarabiner wurde zur Leine erklärt und bei der nächsten Gelegenheit kaufte ich ein Geschirr, eine Bürste und Hundefutter in Dosen.
Die letzten Urlaubstage auf einem kleinen Campingplatz in Santa Maria de Navarese mit einem kilometerlangen Sandstrand vergingen wie im Flug.
Sardi benahm sich sehr brav und das höchste für sie waren die Malzeiten. Wasser war außer zum Trinken nicht ihr Freund. Bei einem Regenschauer wollte sie nicht mal raus und um jede Pfütze wurde ein großer Bogen gemacht. Doch auch durchs Bürsten reinigt sicht das Fell nach und nach. Viele Kletten waren aber so verfilzt, dass wir sie herausschneiden mussten. So bekamen wir bis zur Heimfahrt schon eine kleine Lady.
Heimfahrt in ein neues Leben Die Überfahrt nach Livorno verschlief Sardi im Bus und auch die 12stündige Heimfahrt mit vielen Pausen war kein Problem. Sardi mag Autofahren von Anfang an. Sie schaut abwechselnd aus dem Fenster oder schläft.
Am Montagabend, dem 20. September 2004 beschnüffelte Sardi zum ersten Mal ihr neues Zuhause in Fieberbrunn.
In den ersten Tagen musste Sardi leider viel Zeit im Bus verbringen, während wir arbeiteten. - Wir sind ja montagsabends heimgekommen und mussten am Dienstag um 7:15 Uhr wieder zur Arbeit. - Bis Peda ein kleines Gehege für sie im Garten eingezäunt hatte. Ich glaube das war für den Anfang aber auch gar nicht so schlecht, schließlich war der Bus ja auch ihr erstes Zuhause bei uns und wir konnten alle 1-2 Stunden mal nach ihr sehen und sie mal kurz raus lassen.
Den Zaun musste Peda dann noch dreimal nachbessern, Sardi hat eine enorme Sprungkraft und einen großen Freiheitsdrang. Jetzt ist der Zaun ca. 1,8m hoch. Mit dem Alleinsein kommt Sardi von Anfang an gut zurecht und hatte sich schnell unsere Zeiten eingeprägt.
Fünf Tage nachdem wir aus Sardinien zurück waren durfte Sardi mit auf ihre erste Bergtour. Ab 1500m hatte es schon den ersten Schnee und wir waren gespannt, wie unsere Wasserscheue wohl darauf reagieren würde. Und wir staunten nicht schlecht, ab einer Schneehöhe von 10cm fing Sardi an sich in den Schnee zu wühlen, hineinzubeißen und ganz ausgelassen herumzusausen. – Sardi liebt Schnee!
Doch "Sardi die Bergsteigerin" ist schon ein anderes Thema...