Am Dienstag, 17.3.2020 ist Sardi über den Regenbogen geflogen…

Sardi ist über den Regenbogen geflogen

So gerne hätte ich es Dir ermöglicht, Deine Reise selbstbestimmt anzutreten. Aber Dein alter ausgezehrter, aber immer noch wunderschöner Körper lies es nicht mehr zu.

Denn leiden oder gar qualvoll ersticken, solltest Du auf gar keinen Fall!

Sardi



Über den Sommer hinweg ließen Deine Sinne, Kräfte und vor allem die Motorik langsam aber kontinuierlich nach.
Die Demenz lies Dich nicht nur tüttelig werden und immer wieder an derselben Stelle schnüffeln, sie beeinträchtigte auch zunehmend Deine Fähigkeit Reize (sehen, hören, riechen) zu verarbeiten und Deine Motorik.






Aber Du hast Dich nicht unterkriegen lassen!


Im November warst Du so wackelig unterwegs, dass wir für die Spaziergänge draußen einen Rolli ausgeliehen haben.
Denn in einem Wagen gefahren zu werden, kam für Dich nie infrage.

Du wolltest aufstehen und gehen!


Anfang Jenner gelangen Dir die letzten freien Schritte. Dann konntest Du nur noch mit Unterstützung laufen.
Ich musste Dich immer wieder am Geschirr durch die Wohnung führen, wenn wir gerade nicht mit dem Rolli rausgehen konnten.

Sardi im Quad

Ende Jenner begannen dann auch zunehmend Deine Vorderpfoten zu versagen und ich musste immer aufpassen, dass Du nicht stolperst und mit dem Rolli auf die Nase fällst.

Das hat Dich aber nicht davon abgehalten weiterhin Deine Runden einzufordern.
So haben wir auf einen Quad aufgerüstet.



Viele gutmeinenden Menschen aus unserem Umfeld sorgten sich, dass Du zu lange leiden müsstest.
Die wenigsten sprachen es konkret aus, aber es kamen immer wieder leichte Anspielungen.
Naja, im Quad machtest Du wirklich nicht mehr die Beste Figur.

Aber Du konntest noch gehen, was Dir wichtig war.

Was aber keiner von denen verstand, Du wolltest noch leben!

Du hast teilgenommen und hattest DEINE Momente:

22.2.20: Herrli verteilt Leberwurst aus der Tube!

Sardi lacht Sardi bekommt Leberwurst aus der Tube

Sardi in der Wintersonne vor der Balkontür











18.2.20:
Ein Nickerchen in der Wintersonne vor der Balkontür,

Sardi in der Wintersonne vor der Balkontür











oder am 23.2.20
auf der Couch am Kachelofen…

In den letzten 2 Wochen hast Du immer weniger gefressen. Der Magen konnte nicht mehr so viel aufnehmen und Du hast viel Luft mitgeschluckt.
So gab es zum Schluss kaum noch Gemüse, hauptsächlich püriertes Fleisch und Eigelb. Das hat Dir geschmeckt, bis der Bauch voll war.

Am Sonntagabend gab es dann das rohe Eigelb pur – mmmh lecker! – Auf meinem Schoß mit dem Löffel. (Das Futter im Napf hattest Du schon seit Monaten nicht mehr gefunden. Das Futter musst von vorne oder oben kommen.)
Wenn Du Dir dann über die Nase geschleckt hast, hast Du oft das Futter vom Löffel großzügig über Deine Schnauze verteilt. Was ich erst nicht gesehen hatte, auch in die Nase.
Die Nacht war seit langem wieder sehr unruhig. – Die übliche nächtliche Demenz-Unruhe hatten wir mit CBD und Homöopathie recht gut im Griff. – Du bekamst schlecht Luft, hast schwer geschnauft und wolltest ständig laufen.
Erst am Morgen sah ich, dass das Eigelb Deine Nase verklebt hatte. Von unserer Tierärztin Moni hatte ich mir Tipps geholt, wie ich Dein Näschen wieder frei bekomme. Geduldig hattest Du die Prozedur hingenommen. Wir hatten Dich wieder sauber bekommen und Du konntest wieder frei Atmen.
Nun gab es das Frühstück aus der Spritze, damit uns das nicht noch einmal passiert.
Den Tag über hattest Du gut Luft bekommen, viel geschlafen und immer wieder etwas Futter und Wasser genommen. Aber die Nacht auf Dienstag verlief wieder ebenso unruhig. Du bekamst einfach schwer Luft.

In der Früh war die Nase war wieder zu. Das sah aber eher aus wie Sekret. Nach dem Säubern ging es wieder besser und ich hatte Dich gefüttert bis Du wieder unruhig wurdest. Deine Atmung war schwer und röchelnd. Du wolltest nur noch laufen, laufen, laufen. Liegen ging gar nicht.
Dich im Rolli durch den Garten führend, habe Moni angerufen. Sie war zufällig ganz bei uns in der Nähe und kam gleich vorbei.

Bei Abhören musste Sie feststellen, dass Du Futter in die Lunge bekommen hattest. Wahrscheinlich vom Magen durch einen Reflux.
Ich hatte es schon geahnt als ich sie Anrief und jetzt war klar, dass wir Dir helfen mussten, um Dir diese Atemnot zu nehmen und ein qualvolles Ersticken zu verhindern.

Der Vormittag war strahlend sonnig und im Garten war es bereits fein warm. Die Narkosespritze hast Du noch im Rolli bekommen auf weichem Untergrund und ohne Pfotenschuhe und Mantel konntest Du heute nochmal „richtig Draußen“ spüren.
Im wegschlafen habe ich Dich draußen auf Deine weiche Matte gebettet. Ganz schnell bist Du in den tiefen Narkoseschlaf geglitten. Und Moni setzte die Finale Spritze, währen ich Deinen Kopf hielt….


Nun hast Du Deinen Platz in unserem Garten gefunden…

Sardis Grab

Welch ein Glück, dass ich durch Corona bedingt, Homeoffice hatte und Moni gerade in der Nähe war…..
Vielen Dank Moni!

Seit über einem Jahr war ich auf diesen Moment gefasst und trotzdem hat es mir den Boden unter den Füßen weggezogen…

Was hilft ist das anschauen alter Bilder.



Die zaubern gelegentlich ein Lächeln auf meine Lippen.

Jetzt habe ich wieder viel Zeit für mich, für Peda und Bavello. Das letzte halbe Jahr, warst Du neben der Arbeit mein ganzer Lebensinhalt. Ein 24 Std. Pflegefall. – Ich möchte keine Sekunde davon missen – wie Du die Fütterungen genossen hattest und abends nach einer Unruhephase auf meinem Bauch eingeschlafen bist….
Nun muss ich erst wieder lernen durchzuschlafen und kein schlechtes Gewissen zu bekommen, wenn ich meine Zeit genieße…

Auf der Skitour am Mittwoch habe ich Dich in Gedanken „mitgenommen“. Wie in jungen Jahren bist Du die Hänge hinunter gesaust und durftest jetzt im Aufstieg ohne Leine die Gegend nach Gamsspuren absuchen.
Und meine Gefühle sind Achterbahn gefahren…