Sardis Leishmaniose

Diagnose

Anfang Juni 2006 stellte sich bei einer Blutuntersuchung heraus, dass Sardi nicht gesund ist. Sie wurde auf Leishmaniose, Ehrlichiose, Anaplasmose und Borreliose positiv getestet. D.h. sie hat Antikörper gegen diese Krankheitserreger im Blut.
Während Ehrlichiose, Anaplasmose und Borreliose beim Krankheitsausbruch einer frischen Infektion mit Antibiotika ausheilbar sind, kann die Leishmaniose nur eingedämmt, aber nicht eliminiert werden.

Bei Ehrlichiose, Anaplasmose und Borreliose konnte bei Sardi nur ein positiver, teilweise recht hoher Antikörpertiter nachgewiesen werden. Sardi zeigt bisher aber keinerlei Anzeichen auf eine dieser Erkrankungen. D.h. diese Erkrankungen müssen zzt. nicht behandelt werden und mit etwas Glück und guter Pflege bleibt es hoffentlich auch dabei.
Um nichts zu übersehen kontrollieren wir im Abstand von ca. 3 bis 6 Monaten regelmäßig Sardis Blut- und Organwerte und die Eiweißelektrophorese.

Dass die Leishmaniose bei Sardi bereits ausgebrochen ist und ihrem Körper Probleme bereitet, kann man unter anderem an den erhöhten Gamma-Globulinen in der Kurve der Eiweißelektrophorese sehen. Sogar eine PCR, das ist eine Untersuchung auf die DNA der Leishmanien, war bei Sardis Blutprobe positiv, was äußerst selten vorkommt.

Symptome

Die äußerlichen Symptome der Leishmaniose bei Sardi begannen eher unauffällig und erst im Nachhinein betrachtet konnten wir diese der Leishmaniose zuordnen.
Es fing an mit schuppenden, Liegeschwielen ähnlichen Stellen an den Ellenbogen, aus denen bei Sardi in der schlimmsten Krankheitsphase tiefe nässende Leckekzeme wurden.

Hautläsion am Ellenbogen
Leishmanioseläsionen an den Ellenbogen
Strapse
Strapse aus Verbandsschlauch gegen das Lecken

Die Krallen wuchsen nicht mehr so, wie sie sollten. Die Krallensohle, die die Röhre der Krallenschale füllt, war zu weich und porös und löste sich heraus. Die Krallen wurden teilweise hohl und begannen bei langen Touren im Schnee zu bluten. Wenn beim Scharren und Buddeln Schmutz in die Krallen gedrückt wurde, waren heftige Entzündungen die Folge.

Pfoten baden
Baden in Malvenblatttee lindert die Entzündungen
getapete Kralle
Hohle Krallen mit Tape verschlossen

Sardi wurde immer ruhiger, schreckhafter und ängstlicher. Sie hörte nach und nach auf zu spielen. Vor den meisten Hunden hatte sie nur noch Angst, was sie mit unterwürfiger Körperhaltung und defensivem Knurren ausdrückte.
Was Sardi gar nicht störte, waren die kleinen schuppigen Knötchen, die sich in den Ohren unter der Haut bildeten.

Vor der Diagnose dachten wir, dass Sardi mit bald 3 Jahren einfach etwas erwachsener und daher ruhiger wird und weniger spielt. Denn sie ging immer noch begeistert mit uns zum Bergsteigen und hatte eine super Kondition.
Trotzdem war das der Hauptgrund für mich, Sardi auf Mittelmeerkrankheiten testen zu lassen.

Therapie

Leishmaniose wird bei Hunden mit Allopurinol, einem Gichtmittel aus der Humanmedizin, behandelt, das die Leishmanien in ihrer Entwicklung und Vermehrung hemmt. Sardi bekommt seit August 2006 3x 125mg pro Tag, das ist eine mittlere Dosis von ca. 20mg/kgKW täglich, verteilt auf 3 Gaben, um einen möglichst gleichmäßigen Wirkstoffspiegel zu erreichen.
Nach einer "Erstverschlimmerung" von ca. 3 Wochen begannen die Wunden an den Ellenbogen zu heilen. Sardi wurde wieder zunehmend lebhafter und fitter.

Lebensfreude
November 2006: Sardi ist wieder fit und genießt ihre wiedergewonnene Lebensfreude!

Auch die folgenden Kontrollen zeigten ein deutliches flacher werden der Eiweißelektrophoresekurve im Gamma-Abschnitt.

Die Krallen sind erst nach ca. ½ Jahr wieder richtig nachgewachsen, sodass wir sie anfangs noch mit winzigen Tapeverbänden vor Verschmutzung schützen mussten, um Entzündungen zu vermeiden. Später, als die Krallen von hinten schon gesund nachwuchsen, war es ausreichend beginnende Aushöhlungen an den Krallenspitzen vorsichtig wegzuschneiden.

Leider beginnt im Sommer 2007 Sardis Kreatinin im Serum zuerst schleichend, dann aber trotz Nierendiät, deutlich zu steigen.
Auch im Verhalten wirkt Sardi wieder etwas "gedämpfter" und in der Eiweißelektrophorese zeigt sich die Leishmaniose leider wieder zunehmend aktiver.

Eine schleichende Chronische Niereninsuffizienz ist ein typisches Leishmaniose-Symptom. Als Auslöser verdächtigt man Immunkomplexe, die bei der körpereigenen Immunabwehr entstehen.
Daher versuchen wir Sardis erhöhten Nierenwerten durch das zufüttern von bestimmten Enzymen entgegenzuwirken. Die Enzyme sollen helfen diese großen Eiweißmoleküle aufspalten und abzubauen, sodass sie sich nicht mehr in der Niere ablagern können.

Aber auch Allopurinol kann die Nieren schädigen und es darf bei eingeschränkter Nierenfunktion nur niedrig dosiert werden. Sonst kann es zur Überdosierung kommen, weil der Wirkstoff langsamer ausgeschieden wird.
Man vermutet, dass die Nierenbelastung bei Hunden, durch deren schnelleren Stoffwechsel und die dadurch nötige höhere Dosierung, um ein vielfaches höher ist, als bei Menschen. Allerdings gibt es diesbezüglich keine Studien, da es sich um ein Human-Medikament handelt.

So versuchen wir im Juni 2008 den Erreger für einen Monat mit dem neuen Medikament Milteforan zu bekämpfen.
Der Wirkstoff, Miltefosin, heilt die Leishmaniose beim Menschen zu einem hohen Prozentsatz.
Bei Hunden ist leider keine Heilung zu erwarten. Aber besonders bei in Italien infizierten Hunden wurden schon sehr gute Erfolge, bei verhältnismäßig geringen Nebenwirkungen, erzielt.
Die Belastung der Nieren ist bei Milteforan gegenüber vergleichbaren Therapien eher gering.
Allopurinol, wird während der Milteforan-Therapie in derselben Dosis weitergegeben.

Leider konnten weder Milteforan, noch das Enzympräparat Relevia bei Sardi eine Verbesserung bewirken. Die Elektrophoresekurve zeigt deutlich das langsame aber kontinuierliche fortschreiten der Hypogammaglobuliämie, während der Albuminspiegel ganz langsam sinkt. So wie es ganz typisch ist, für eine fortschreitende Leishmniose.
Aber wir haben alle Therapiemöglichkeiten für die Leishmaniose bei Sardi bereits ausgereizt. Denn das stark leber- und nierentoxische Glucantime kommt wegen der ohnehin schon eingeschrängkten Nierenfunktion nicht in Frage, ebenso die Maximaldosis Allopurinol.

Immerhin ist das Kreatinin im Serum zwar nicht gesunken, hält sich nun aber schon über Jahre erfreulich stabil in einem akzeptablen Bereich. Und auch die anderen Nierenparameter und Elektrolyte, sowie alle Früherkennungstests auf Nierenfunktionsstörungen (U P/C und Cystatin C) sind weiterhin in Ordnung.

Im Oktober 2010 gibt es erste Anzeichen einer beginnenden Anämie, die im Winter wieder verschwinden. Aber im Juni 2011 sind dann sowohl Hämoglobin als auch Hämatokrit leicht erniedrigt. Auch die Thrombozyten bewegen sich absolut am unteren Rand der Referenzwerte.

Sardis Anaplasmose und Ehrlichiose kommen wieder ins Gedächtnis. Beide können solche Veränderungen bewirken. Die Leishmaniose allerdings auch.
Der Parasitologe Dr. Torsten Naucke schlägt vor, nochmal Sardis Antikörper gegen Anaplasmose, Ehrlichiose und zum Vergleich auch Leishmaniose bestimmen zu lassen.
Antikörpertests eignen sich normalerweise nicht zur Verlaufskontrolle von Erkrankungen, weil der Abbau von Antikörpern mitunter sehr lange (bis zu 4 Jahre) dauern kann. Bei Sardi ist die Erstdiagnose aber bereits 5 Jahre her. D.h. wenn Anaplasmose und Ehrlichiose die ganze Zeit, wie angenommen, nicht aktiv waren, oder vom Immunsystem gar eliminiert wurden, dann müssten die Antikörper-Titer jetzt deutlich (über mindestens 2 Verdünnungsstufen) gesunken sein.

Die Sensation ist perfekt! Damit hätte ich nicht gerechnet. Sardi hat im Juli 2011 nur noch einen fraglichen Leishmaniose-Titer, während die Ehrlichiose über 3 Verdünnungsstufen von 1:1000 auf 1:8000 gestiegen ist. Der Anaplasmose-Titer ist mit 1:4000 nur um eine Verdünnungsstufe nach oben gegangen, was in etwa als gleichbleibend zu interpretieren ist.
Damit steht fest, die Leishmaniose ruht vermutlich schon länger und es sind die Antikörper der Ehrichien und Anaplasmen, die sich (unüblicherweise) im Gammabereich der Elektrophorese abbilden und die Anämie verursachen.
Damit haben wir wieder eine Therapiemöglichkeit. Sardi bekommt seit dem 1. August das Antibiotikum Doxycyclin-Hyclat in einer Dosis von 2x je 10mg/kg täglich. Die Therapie soll idealerweise über mindestens 6 Wochen laufen und in der 2. und 4. Woche mit je 0,25ml/10kg Carbesia geboostet werden, weil die chronische Ehrlichiose schon so lange besteht.
Das Doxycyclin belastet die Leber und kann den Magen reizen. Besonders das Hyclat, das aber bei Hunden gleichmäßiger wirkt, als ein Monohydrat, ist sehr sauer. Daher muss es zum Schlucken gut eingepackt werden, damit es die Schleimhäute von Maul, Rachen und Speiseröhre nicht reizt. Hühnerherzen sind dazu ideal geeignet, weil die Tabletten in den Herzkammern fest umschlossen werden und sie gut die Speiseröhre hinunter rutschen.
Zur Unterstützung der Leber bekommt Sardi 2x je 200mg/kg Silymarin, den Wirkstoff der Mariendistel.
Sardi hat die von geplanten 6 auf 9 Wochen verlängerte Doxycyclin-Therapie problemlos vertragen und es scheint, dass wir damit die Ehrlichien und Anaplasmen ausreichend zurückdrängen konnten. Eine völlige Elimination der Erreger ist bei so lange bestehenden chronischen Erkrankungen sehr unwahrscheinlich.
Bis auf die Nieren haben sich Sardis Blutwerte unter und nach der Therapie sensationell verbessert, auch noch nach ausschleichen und absetzen des Allopurinols im August 2012. Die zum Ende der Doxycylinbehandlung kurzfristig angestiegenen Leberwerte haben sich nach dem Absetzen schnell wieder regeneriert.

Entwicklung der Befunde nach der Doxycyclin-Therapie
Die Entwicklung von Sardis Befunden vor und nach der Doxycyclin-Therapie

Ernährung und Naturheilkunde

Von naturheilkundlicher Seite wird Sardi von Frau Petra Stein betreut. Seither hat sich ihre Psyche und ihr Wohlbefinden langsam aber stetig stabilisiert. Sogar Sardis extreme Wetterfühligkeit hat sich gebessert und die gezielte homöopathische Unterstützung der Nieren ist Gold wert.

Auch Sardis Fütterung habe ich weiter verfeinert. Mit der Hilfe von Ingrid Bergmann nach der Sichtweise der Traditionellen Chinesischen Medizin, und Nicola Becker von der LMU in München hat die Menge und Zusammensetzung der Nährstoffe in Bezug auf Sardis Blutwerte genau unter die Lupe genommen.
Seit Sardi nun alle wichtigen Lebensbausteine in ausreichender Menge bekommt, aber alles, was die Nieren belastet, nur grade eben bedarfsdeckend, hat Sardi in Fitness und Wohlbefinden noch mal einen Sprung nach vorne gemacht.